Julianes Heldenwelt

das Leben in Julianes Gedankenwelt.


- Geschichten written by Juliane -

 

 

 

 

Schweigen.

Operation Pressefrosch.

Augenbrauentango

Mozart’s Geburtstag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Schweigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


©Juliane H.


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Operation Pressefrosch.

 

Es war einmal ein Frosch. Er war ein Teil der Kindeserinnerungen von drei Freunden: Timmy, Tommy und Tammy. Timmy, Tommy und Tammy spielten gern zusammen. Gemeinsam entdeckten sie die Welt. Mit ihren wachsamen großen Kuschelkinderaugen erkundeten sie sie. Die Augen von Tommy leuchteten, wann immer die drei eine neue Entdeckung machten. Auch noch als Timmy, Tommy und Tammy schon groß waren, freute sich Tommy immer ein Loch in den Bauch, wenn die drei mal wieder Dummheiten machten. Knaller in Treppenhäusern zündeten. Der Schiffsschraube eines großen Schleppers mal kurz im Dreimann Kanu „guten Tag" sagten, um dann mit großem Herzklopfen, einem Hauch Angst und ungetrübtem KindernunErwachsenenwahnsinn dem Sog den Kampf anzusagen und wieder zu entkommen. Sie sich gemeinsam auf die Suche nach dem Pressefrosch machten, indem sie 24,33 Anzugträger mit ihrem Anliegen in gewohnt eloquenter Natur beschwatzten. Alle drei gingen sie ihren Weg, studierten. Waren erfolgreich. Tommy und Tammy entschieden sich für die akademische Laufbahn. Timmy ging in die Privatwirtschaft. Und so erwachsen sie scheinbar für die Außenwelt nun waren, so sehr hatten sie sich ihre leuchtenden Augen bewahrt. Wenn sie einen Frosch quaken hörten. Eine Kröte im Waldgestrüpp rumhüpfte. Sie einen Regenbogen sahen und sich mehr als sicher über den Schatz am Ende dessen waren.

Timmy hatte nun eine tolle Freundin. Jinny. Er hatte sie auf seinem Weg zum erwachsenwerden beim studieren kennengelernt. Auch Tommy und Tammy liebten sie. Denn sie war genau wie sie. Eines Tages lernte Tommy Birgit kennen. Birgit war von Beginn an sehr verliebt in Tommy. Tommy war sehr skeptisch. Doch Tommy war auch schon lang allein und sehnte sich nach Liebe. Einer Beziehung. Also ging er den Schritt und erklärte Birgit zu seiner Freundin. Birgit war jünger als Timmy, Tommy, Tammy und Jinny. Doch schon früh hatte sie sich zielstrebig ihrer Karriere verschrieben. Verbittert und festgebissen verfolgte sie ihre Ziele. Nahm viel ab und verschrie sich den Langläufen, um ihrem Berufsleben einen sportlichen Ausgleich zu geben. Sie war recht hübsch, wenn auch sie den Verkehr nie zum erliegen hätte bringen können, wenn sie die Straße entlang lief. Ihre Augen waren klein und glanzlos. Ihre Mundwinkel ein wenig nach unten gezogen. Selbst wenn sie lächelte. Obgleich sie noch nicht so alt war, umzogen ihre Augen kleine Fältchen. Tommy begann, sie in verbalen Ergüssen zu vergöttern. Birgit kann das. Birgit kann dies. Birgit läuft einen Marathon. Birgit ist der nächste Professor Doktor Einstein. Nur der Zweitkorrektor ihrer Doktorarbeit teilte diese verzerrte Meinung nicht und ließ Birgit durchfallen. Tommy und Birgit zogen zusammen und kauften sich eine Katze.

Ohne dass sie gleich darüber sprachen, so dachten alle - Timmy, Tammy und Jinny - dasselbe: der Glanz war auch in Tommy's Augen verschwunden. Das schelmische Lachen, wann immer er die Welt entdeckte. Wenn seine Mimik seine Gedanken verriet. Wobei ein Schelm ist, wer Böses denkt. Sein Gesicht war nun Birgit: glanzlos. Die Mundwinkel dem Boden zugerichtet. Furchen bahnten sich mehr und mehr ihren Weg.

Eines Tages luden Timmy, Jinny und Tammy zu einer großen Party. Viele Freunde waren geladen. Unter ihnen auch Tommy und Birgit. Die Stimmung war ausgelassen. Es wurde viel gelacht. Timmy, Jinny und Tammy strahlten. Alles verlief ganz in ihrem Sinne. Tommy und Birgit kamen später. Birgit trug ein adrettes schwarzes Kleid. Hochhackige Schuhe. Tommy, in seinen Jeans und seinem Sweatshirt, folgte ihr auf Schritt und Tritt. Tammy beobachtete ihn. Schon wieder waren seine Augen voller Traurigkeit. Voller Leere. Wie so oft die letzten Male als sie sich gesehen hatten. Tammy's und Timmy's Augen trafen sich im Raum. Sie konnten beide sehen, was sie dachten. Hastig eilten sie aufeinander zu und fast gleichzeitig plautzte aus ihnen heraus „Wir müssen ‚Operation Pressefrosch‘ starten.". Tommy war wie ein Schatten Birgit in ein anderes Zimmer gefolgt. Timmy und Tammy machten sich auf die Suche nach Tommy und fanden ihn im Nebenraum. Tammy zitterte kurz als sie der Blick von Birgit traf. Die Wärme von Timmy und die Zuversicht ihres Plans fing sie wieder auf. Nur widerwillig konnten sie Tommy von Birgit wegreißen, um sie über ihren Plan zu unterrichten. Inmitten der vielen Partymenschen waren sie wieder in ihrer Dreisamkeit. Wie früher. Ein Lächeln huschte über Tommys Gesicht, als Tammy und Timmy zu erzählen begonnen und sich dabei fast überschlugen in ihren Worten. „Du siehstimmer so traurig aus Tommy. Erinnerst du dich? Als wir auf der Suche nach dem Pressefrosch waren? Du hast dich immer gefreut wie in Schneekönig, wenn wir Dummheiten gemacht haben. Noch heut werden unsere Namen erwähnt, wenn die Kanufahrer auf der Elbe instruiert werden ‚Ja nicht zu nah an die großen Schiffe fahren, wie Timmy, Dr. Tommy und Tammy damals zu seiner Zeit!‘". Da war es kurz. Dieses einnehmende Lachen, wie es Tommy als Kind schon immer hatte, war wieder da. Seine Augen strahlten und verschmitzt zog er seine Augenbrauen hoch. Ein kalter Schauer durchzog die Körper der drei. Birgit hatte sich von hinten angeschlichen und stellte sich einnehmend neben Tommy. „Schatz, die möchten, dass ich Dummheiten mache!", sagte er zu ihr. Das Lächeln war nicht mehr in seinem Gesicht, ein aufgesetztes Grinsen war dem warmen schelmischen Kinderlachen gefolgt und hatte es einfach ausgelöscht. Birgit lachte laut und kalt auf. Höflichkeitsfloskeln wurden nun ausgetauscht. Es dauerte nicht lang und Birgit nahm Tommy bestimmend an die Hand und sie verließen die Party.

Timmy umarmte Tammy. Als sie sich aus der Umarmung lösten sagte Timmy's Blick ihr „Hab keine Angst Tammy, ich werde aufpassen, dass dir kein Mensch das Strahlen in deinen Augen rauben wird. Dir kein Mensch die Lebensfreude, das Kindsein nehmen wird. So wie du auf mich aufgepasst hast."

Und wenn er nicht gestorben ist, dann versteckt sich der Frosch noch heut. Und eines Tages werden sie ihn finden. Timmy, Tammy, Jinny. Und vielleicht mit Tommy.

 


© Juliane H.

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Augenbrauentango

 

„Warte ich komme gleich." tönt es durch die Gegensprechanlage der Haustür. Sie seufzt. Es ist kalt und feucht. Nebel hängt in der Luft und die im Sommer so lebensfrohe Straße wirkt grau und sterbend. 'Verdammt!!! Warum hab ich nur keinen Schal umgelegt? ' Verärgert zieht sie ihre sonst so entspannten Augenbrauen in Richtung Nase. Von einem Bein auf`s andere hüpfend, blickt sie in den Hausflur, beziehungsweise, in das, was sie davon erspähen kann. Eine dicke, verschnörkelte Verglasung versperrte ihr die Sicht. Und dennoch braucht sie sich nicht anstrengen. Zu erkennen, dass es dunkel ist und niemand im Anmarsch ist, reicht es allemal. Sie plustert ihre Wangen auf und bläst den Atem durch ihren o-förmig geöffneten Mund. Das sind die Momente, in denen sie sich manchmal wie eine erfahrene Raucherin fühlt. Verschmitzt zieht sie eine Augenbraue hoch und vergisst, dass sie ja eigentlich verärgert ist und streckt dem Nebel ihr bestes Pokerface, das sie im Moment auf Lager hat, entgegen und stellt sich vor, wie es wäre, wenn sie Kringel pusten könnte. Prompt fällt ihr wieder ein, dass sie ja verärgert ist und flupps sind die Brauen wieder ein V. Kringel. Pffff. Wie denn, wo es doch nur ihr Atem ist, der die weiße Wolke vor ihr bildet und sie soweit weg vom Rauchen ist wie der Papst vom Sex? Also entscheidet sie sich, aus ihren Händen eine Höhle zu bauen, in der sie ihr Gesicht vergräbt um ihre Wangen wieder aufzublähen und sich selbst mit dem lauen Atem zu wärmen. Irgendwie ist es ja interessant: spitzt man den Mund und bläst den Atem mit Druck heraus, ist er kühlend. Bläht man die Wangen auf und öffnet den Mund zu einem großen „O" wärmt er, der Atem.

Das Licht geht an. Ihre Brauen springen abrupt in "A"-Form und sie hebt den Kopf leicht um im Hausflur etwas erkennen zu können. Langsam lässt sich eine kleine Gestalt erahnen. 'Endlich' denkt sie sich. 'Was ist das?' Noch eine kleine Gestalt und noch eine größere. 'Verdammt!'. Falsch gedacht. Die Tür springt auf und zwei quirlige Kinder laufen fast hüpfend heraus, gefolgt von ihrer Mutter. Sie blickt ihnen hinterher und sieht sie im Nebel verschwinden. „Die müssen doch ins Bett und haben gar nichts mehr draußen zu suchen!" murmelt sie in ihren Jackenkragen leise hinein, in dem sie ihren Mund nun vergraben hat, wohl wissend, dass sie niemand hören kann.

Ach, da war doch was: wieder Augenbrauen-V-Zeit. Mehr "V" als der Abend bislang zu bieten hatte. Ohne nachzudenken streckt sie ihre Hand aus, um mit ihrem Zeigefinger, einen Moment länger als nötig, die Klingel abermals zu tätigen. „Nur ganz kurz, ich bin gleich da.". Und wieder verstummt die Stimme am anderen Ende der Gegensprechanlage. „Jaja, das „ganz kurz" kenn ich." Sagt sie erbost in die dafür vorgesehene Sprechvorrichtung. Aber ach, da hört sie längst keiner mehr.

'Es ist aber auch verflixt!' Letztens hat sie eine Kurzgeschichte gelesen. Von Charlotte Roos. „Gewartet" hieß sie. 'Auf dich gewartet. [...] und gewartet auf dich. Da ist niemand. [...] ich habe gewartet. [...] ich habe umsonst gewartet.' hallt es in ihrem Kopf. Jetzt könnte man ein Lineal an ihren Augenbrauen anlegen. Ganz weit weg ist sie auf einmal.

Ganz weit weg von dieser Welt. Ihr Blick geht ins Nichts. Ganz weit weg. Von dieser Welt. Die Tür fliegt auf und sie wird von der Wucht mitgerissen. Taumelnd versucht sie sich mit ihren Armen rudernd wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Zu spät. Sie kann sich nur noch mit ihren Händen auffangen und landet unsanft auf den Knien. „Pass doch auf!" sagt sie bestimmt in ihren Jackenkragen, in dem sie noch immer ihren Mund schützend vor der Kälte verborgen hat. Da ist es wieder: das V. „Oh Gott, das tut mir leid. Hast du dir weh getan? Was machst du denn hier im Dunkeln?" Sie blickt ihn an. Vermutlich wäre sie an ihm vorbeigelaufen, wenn er dieselbe Straße wie sie entlanglaufen würde. Aber seine Stimme, sie wünscht sich kurz, dass er weiter sprechen würde. „Ich warte." Sagt sie. „Auf was denn?" 'Ja, auf was eigentlich?' fragt sie sich.

„Welches Buch liest du gerade?" Er ist sichtlich irritiert von ihrer Frage. Flucks zieht er sein Kinn zurück und schenkt ihr auch ein Augenbrauen-V. Kein erbostes, eher ein verwundertes. „Porno." sagt er, bevor er den Inhalt seiner Antwort selbst erfasst hat. Auch im Dunkeln kann sie sehen, dass er errötet ist. „von Irvine Welsh" schiebt er hinterher. Sie muss lachen. „Darf ich dich als Entschädigung auf einen Kaffee in den Pub um die Ecke einladen?" Würden seine Wangen nicht so glühen, würde es fast ein wenig platt wirken. Doch so hat es sogar ein bisschen Stil. Sie schaut durch die dicken verschnörkelten Glasscheiben der Haustür und kann nur schwarz erkennen. „Wieso eigentlich nicht?" so inhaltslos die bloßen Worte dieser Frage scheinen, so sicher drehen sich beide in dieselbe Richtung, um in Richtung Pub loszugehen. Schweigend laufen sie nebeneinander. Er kickt eine Kastanie vor sich her, während sie ein noch seltenes grünes Blatt an einem Baum findet, das sie mit ihrer Hand noch erreichen kann, um es abzureißen und danach im Gehen in ihrer Hand zu zerpflücken. Er ergreift vor ihr den Griff der Tür des Pubs, um sie ihr aufzuhalten. Ein warmer Luftzug kommt von innen und Licht fällt in ihre Gesichter. Zum ersten Mal sehen sie sich richtig an. „Darauf, dass ich endlich aufhören kann..."

...- zu warten. -"

 


© Juliane H.

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Mozart`s Geburtstag

 

„Johann, der Wagen bricht!" Ich fahre mit dem Wagen vor, wie mein Blick sie einfängt. „Nein, Charlotte, der Wagen nicht, es ist ein Band von meinem Herzen."

Sie ist so zart.

Wir laufen die Straße entlang. Der wenige Schnee, der fällt, glitzert unter den Laternen, die uns den Weg leuchten. Verstohlen ruhen meine Augen von der Seite auf ihr, jede einzelne Regung zu erfassen. Auf dem Weg in die Toskana vergessen wir die Zeit. Ein altes Mütterchen steht am Straßenrand, die Idylle der aufeinandertreffenden Unschuld abzurunden. Sie weist uns den Weg unter die vier Linden, „La Dolce Vita" - das süße Leben zu genießen.

Kratzend und beißend krallt sie sich in mir fest, bis sich rote Striemen auf meiner Haut bilden. Ich sehe sie an, während ich meine Hand auf ihr ruhen lasse, wohl wissend, ich kann sie endlich spüren, wir sind eins. Ein letzter schneller Biss und sie springt auf, mit der längst getöteten Maus in der hinteren Ecke zu spielen.

Mit meinem geistigen Auge beobachte ich sie und kann fühlen, wie ihr Blick auf mir verweilt, wie ich ihr für einen Augenblick den Rücken zuwende, mir Saft nachzuschenken. Hand in Hand schreiten wir durch die karge Behausung unseres fernen Freundes. Die Decken sind niedrig, die Wände leer, seine Organe zermatscht.

Ich spüre die Hand, die sich um mein Herz legt. Schweigend blicken wir den Gang in unseren Gemäuern hinunter, der jeden einzelnen Raum verbindet. Sie sucht nach meiner Hand, die mich dankend findet, nicht allein diese aufkeimende Ausweglosigkeit einer Twighlightzone-Episode überstehen zu müssen. Fast niemand vermag uns aus unserer Umarmung zu lösen, als wir uns im Innenhof wieder finden. Pflastersteine und klassisches Grün lassen uns in unserer andauernden Umarmung vergessen, dass wir von großen grauen Mauern von allen Seiten umschlossen sind, hinter denen die eben entflohene Twighlightzone-Episode endlos weiterspielt. Ein kleines Mädchen irrt mit ihrem Bruder verwirrt in unserem Hof umher, fast panisch und doch freundlich sucht sie unsere Augen. „Weißt Du, wie wir hier wieder rauskommen?" - Ich lächel sie an und halte ihre Hand, aus der sie sich löst. Schützend wendet sie sich dem fragendem Mädchen und ihrem Bruder zu und zeigt ihnen wissend den Weg -raus-.

Ich lächel noch immer, trau mich nicht, sie auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen. Wieder finden sich unsere Hände, ganz fest. Einen Augenblick werde ich abgelenkt und schaue weg von ihr. Wir verlassen den Hof gemeinsam und blicken zurück in die Vergangenheit. „Johann, der Wagen bricht!" „Nein, Charlotte, der Wagen nicht, es ist das Blümchen meines Herzens. Ich wollt' es brechen, Da sagt' es fein: "Soll ich zum Welken gebrochen sein?"

Ich fahre mit dem Wagen davon.

In Gedanken meinen Blick auf sie gerichtet, wohl wissend, Harmonie in nahender Perfektion erlebt zu haben, doch der nach ihr schreienden Theatralik und dem Ruf nach dem Außergewöhnlichen sichtbar für`s bloße Auge der Masse nie stand halten zu können, nehme ich eine Feder zur Hand. „Lust festigt Bindungen, Frustration schwächt sie."Hoch lebe Francesco Alberoni. Ich tauche die Feder in Tinte und beginne zu schreiben...

 

"Die Leiden der jungen Caulfield..."

 


© Juliane H.

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